Als der Törn begann, war das Schlimmste schon vorbei, zumindest meteorologisch. In der Woche vorher stieg der Bodensee-Pegel über 20 cm, was ohne Zweifel mit den gewaltigen Regenfällen im Zusammenhang stand. Was mal unten ist, ist definitiv unten, und schlimmer kann es nicht mehr kommen. So ähnlich klingt auch der Anfang des vorjährigen Törnberichtes. Es scheint eine erfreuliche Tradition zu werden, den Törn beim jährlichen Pegel-Höchststand zu beginnen, so haben wir nie Probleme mit dem Tiefgang.
Als wir uns im Verlaufe des Sonntagnachmittages auf der Mole des Güttinger Hafens versammelten, hatten die meisten schon eine happige Segelei bei 4 – 6 Bf. hinter sich. Zwischen dem obligaten Small Talk wurde an den Booten die Flaggengala gesetzt und alle warteten gespannt auf die angekündigte Bootstaufe. Der Täufling war jedoch nicht auszumachen, der steckte mit einer Motorpanne mitten auf dem See und musste vorerst mal den KSV-Abschleppdienst bemühen. Strafe muss sein, wenn man über ein Jahr mit einem nicht getauften Boot auf dem See herumschippert! Aber so gegen fünf Uhr tauchten Elisabeth und Iginio mit ihrer Inferno auf und Neptun konnte zur Tat schreiten. Seine Taufrede war die reinste Freude und muss die Eigner zu bestem Benehmen in der Zukunft angespornt haben. Für den Bootsnahmen “Apo“ hatte Elisabeth eine hübsche Anekdote auf Lager und sicher wird sie diese jenen, die nicht dabei waren, nochmals erzählen.
Ein Taufapero erweckt Appetit, die Grillparty kann beginnen! Schmackhafte Fleischhappen, genügend Tranksame, fröhliche Laune und jede Menge Leute, das sind die Markenzeichen eines jeden KSV-Grillfestes, das jeweils bis in den späten Abend dauert. Man fragte sich, wie alle Leute auf unseren Booten Platz finden, aber ein guter Teil war auf dem Landweg zu uns gestossen. Wahrscheinlich liegt das an der gastfreundliche Atmosphäre im Hafen, ein Verdienst der freundlichen Gastgeber Mägi und Hörbi Brüllmann und des umsichtigen Hafenmeisters Heinz Schnell.
Der Törn führte uns auf vorwiegend kurzen Etappen vorerst über den See zur Haltnau. Da der Hafenmeister dort am Montag seinen freien Tag einzieht, hat er uns zur Skipperbesprechung eine Liste mit dem Hafenplatz für jedes Boot überlassen. Eine hervorragende Idee, die dem Tageskapitän einen stressfreien Tag versprach. Weiss der Teufel, warum sich die meisten Boote weigerten, in eben diesen zugewiesenen Platz zu passen! So erlebten wir statt eines relaxten einen ziemlich nervösen Hans Stehle, der froh war, als alle 15 Boote verstaut waren.
Aber vorher genossen wir bei sonnigem Wetter und eher leichten Winden ein erfreulichen Segelvergnügen. Abends in der Weinstube fanden wir im Garten keinen Platz, aber was soll’s, wir sind ja ohnehin den ganzen Tag im Freien und die Qualität des Essens tröstete über vieles hinweg. Dass sich fast niemand zu einem Verdauungsspaziergang hinauf zum Rebhäuschen bereit fand, erstaunt den Berichterstatter. Ich garantiere Euch, der Sonnenuntergang dort oben ist bei schönem Wetter einmalig und den Aufstieg wert.
Warum wird der Hafen von Schloss Helmsdorf so wenig angelaufen? Während eines eher flauen Segeltages hatten wir Zeit, darüber nachzudenken. Tageskapitän Bruno Randelli konnte die meisten Boote an der für Gäste reservierten Spundwand unterbringen. Die etwas kühle Hafenatmosphäre wurde durch die grosszügigen sanitären Anlagen ausgeglichen. Diesmal konnten wir im Garten essen und feststellen, dass die meisten Segelhäfen am Bodensee durchwegs über gute und familienfreundliche Clubrestaurants verfügen.
Der Wetterbericht, den Ruedi Holzer an der Skipperbesprechung vom Mittwoch durchgab, war etwas schwammig, aber die allgemeine Grosswetterlage liess keinen exakten Bericht zu. Beim Auslaufen blies der Wind noch mit 4 Bf. aus West, aber es dauerte keine Stunde, bis er abflaute und nach Süd und dann Ost drehte. Dafür stieg die Temperatur und bis wir unter Motor im Hafen Ultramarin einliefen, war es richtig heiss. Keine einfache Aufgabe hatten Peter und Karin, die heutigen Tageskapitäne, uns ohne Unterstützung des Hafenmeisters im überaus weitläufigen Hafen Plätze anzuweisen. Das Bier, das die beiden mehr als verdient hätten, tranken dafür jene, die das Tageswerk schon abgeschlossen hatten. Bis zum Nachtessen blieb genügend Zeit, im grossen Seglerladen zu stöbern und das Ferienbudget zu überziehen.
Was stellt man sich unter einem schwäbischen Buffet vor? Falls man auf Schweinsbraten, Wienerschnitzel, Würste, Spätzle in verschiedenen Varianten, Schupfnudeln, Bratkartoffeln, allerlei Gemüse und eine grosse Auswahl an Salaten denkt, und das alles à discretion, liegt man nicht falsch. Aber wo bleibt denn der Dessert? Der musste tatsächlich separat bestellt werden, falls im Magen noch etwas Platz geblieben war.
Am folgenden Morgen staunte man über die extrem hohe Temperatur, aber als man auch die Ohren öffnete war alles klar: ein ausgemachter Föhnsturm brauste über den See. Die Sturmwarnung rotierte mit Höchstgeschwindigkeit. Die Skipperbesprechung wurde von der Frage „Auslaufen oder nicht Auslaufen“ beherrscht, und das salomonische Urteil lautete, den Entscheid um eine Stunde zu vertagen. Das zweite Mal trafen wir ums beim Hafenausgang unter der Sturmwarnung, die sich immer noch gleich schnell drehte, obschon die Windstärke und der Wellengang ein Auslaufen durchaus verantworten liessen. In guter Seemannschaft wurde beschlossen, das Wagnis eben nicht zu wagen und das heutige Tagesprogramm zu Fuss durchzuführen.
Das Ziel war der Hafen und die Bodenseewerft Kressbronn, etwa 4 km entfernt und in einer knappen Stunde per Pedes zu erreichen. Die meisten mussten im Hafen einen neuen Liegeplatz suchen, das sorgt dafür, dass einem nicht langweilig wurde. Beim Abmarsch am Nachmittag war der Föhn am zusammenbrechen und drohende schwarze Wolken aus dem Westen rieten, eine Regenjacke und eventuell einen Schirm mitzunehmen. Zu diesem Zeitpunkt brannte die Sonne noch heiss, so dass man sich auf einen Spaziergang über schattige Wegen freute, aber weit gefehlt! Der Weg wich sorgfältig allen Bäumen aus und man hoffte auf kühle Werkshallen in der Werft. Wir waren zu einer Werftbesichtigung geladen und man war gespannt, wie so moderne Schiffe, wie die Bodenseefähren und auch die Sonnenkönigin, gebaut werden. Wir staunten nicht schlecht, alte, heisse und einfach ausgerüstete Werkstätten vorzufinden, die den Eindruck erweckten, die Computertechnik sei noch nicht erfunden. Der Werksleiter Herr Kühne, den es von der Ostsee an den Bodensee verschlagen hatte, wusste Interessantes über den Schiffsbau zu berichten; trotzdem waren wir froh, uns später in einem Wirthaus beim kühlen Nass zu erholen. Unterdessen brach die Wetterwalze aus dem Westen mit voller Heftigkeit los. Der Wechsel zur „Boje“, wo wir zum Nachtessen angemeldet waren, war eine feuchte Angelegenheit, und auch der spätere Heimweg führte über sumpfige Wege.
Am Freitag galt es ernst mit Auslaufen. Die Sonne schien wieder, trotzdem ergoss sich bei der Skipperbesprechung eine tüchtige kalte Dusche über Ruedi Holzer. Keine moralische, sondern ein handfeste nasse Angelegenheit. Selber schuld, ungestraft hockt man sich nicht direkt unter einen Wassersack!
Bei schwachen Winden erreichten wir den alten Rhein, dann ging es unter Motor 2 sm den Fluss aufwärts zum Hafen Wetterwinkel, auch ein Hafen, den wahrscheinlich die wenigsten kannten. Ohne Zweifel, die Brönimanns hatten wieder einen abwechslungsreichen Törn zusammengestellt: Seefahrten, Bootstaufe, Wanderung, Werftbesichtigung, Flussfahrt und einiges mehr. Am Ende der Welt erwartete uns an der Hafeneinfahrt Martin Minder mit einem Fläschchen Wein für jedes Boot und der Liegeplatzanweisung. Wir wählen Martin wieder zum Tageskapitän! Kurz bevor wir uns zum Nachtessen im Clubhaus richteten, öffnete der Himmel sich ein letztes Mal und liess herunter, was er in den Wolken noch an Lager hatte. Es war nicht wenig. Das Essen liess noch auf sich warten, was in Anbetracht der kleinen Küchenmannschaft und den etwa 40 Gästen, die unter drei verschiedenen Menüs auswählen konnten, durchaus in Ordnung war, und es war wie überall gut.
Immer noch bei strömenden Regen krochen wir in unsere Kojen, doch beim Aufstehen war das Wetter wieder in Ordnung. Der Rest des Törns ist bald erzählt: Traditioneller Schlussapero mit erfreulich kurzen Abschieds- und Dankesreden. Nicht dass es nichts zu danken gegeben hätte, aber für die Helfer waren ihre Leistungen so selbstverständlich, dass sie auch mit einem schlichten Dankeschön zufrieden waren. In diesem Sinne treffen wir uns nächstes Jahr ebenso selbstverständlich wieder zum KSV-Sommertörn. Max Wyler