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| Seb Josse's GITANA 11 rounding Fastnet Rock, Photo by Rolex / Carlo Borlenghi |
Diese ernüchternde Begegnung blieb den besten deutschen Mannschaften immerhin erspart. Die „Norddeutsche Vermögen Hamburg“ des Hamburgischen Vereins Seefahrt (HVS) unter Skipper Jan Gallbach lag in einer theoretischen Hochrechnung am Montagnachmittag als 59. der Gesamtwertung knapp vor der Scho-ka-kola von Uwe Lebens (Hamburg) und Jens Kühnes „Sjambok“ unter US-Flagge, setzte sich später weiter ab. Ob es am Ende nach berechneter Zeit ein Rennen für die großen oder die kleinen Yachten werden würde, war zunächst noch nicht abzusehen. Die britische Judel/Vrolik 72 „Rán“ des schwedischen Skype-Erfinders Niklas Zennström, die vor zwei Jahren den begehrten Fastnet Challenge Cup als bestes Schiff nach berechneter Zeit gewonnen hatte, lag anfangs wieder gut im Rennen. Die ersten 30 Stunden hatten alle Teilnehmer einen mäßigen bis frischen Südwestwind, der laut Vorhersage jedoch auf Nordwest drehen und in der Stärke schwanken sollte.
An der Spitze ist das Rolex Fastnet Race jedoch immer vor allem eine Hatz um die Ehre, als Erster im Ziel zu sein, egal ob die anderen baulich, also rechnerisch unterlegen sind. Den meistbeachteten Zweikampf liefern sich dabei dieses Mal die beiden „100er“, „ICAP Leopard“ und „Rambler“. Exakt die in der offenen Gesamtwertung für Einrumpfboote maximal erlaubten 100 Fuß (30,48 Meter) lang soll der „Leopard“ des einheimischen Mike Slade den Hattrick schaffen: nach 2007 und 09 zum dritten Mal Schnellster sein. Und genau das will sein Widersacher George David aus den USA verhindern. Sein neuer „Wanderer“ (Rambler) ist auf Rekorde getrimmt, und auf dem Papier nach Handicap (Rennwert) sogar noch schneller, als der Titelverteidiger.
„Es würde uns das Herz bluten, wenn wir dieses Rennen verlieren“, meinte Slade vor dem Start, „vor allem aber, wenn wir unseren Rekord verlieren.“ Der steht bei einem Tag, 20 Stunden und 18 Minuten, aufgestellt vor vier Jahren bei idealen Windbedingungen, und läuft Dienstagvormittag (16. August) ab. Doch seit 2007 sind die Boote noch schneller geworden, immer weiter ausgereizt durch technische Innovationen. Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis der Rekord erneut unterboten wird. Nach der Hälfte der Strecke lagen die beiden Kontrahenten „Leopard“ und „Rambler“ keine Seemeile auseinander, allerdings der Herausforderer trotz technischer Probleme mit einer defekten Winsch und einem daraufhin gerissenen Vorsegel am Sonntag leicht in Front und zog anschließend nach und nach davon.
Erstaunlich war auch die Leistung des mit 77 Fuß deutlich kleineren Trimarans „Gitana 11“ unter Skipper Seb Josse (ebenfalls Frankreich), der nach zwei Dritteln des Rennens weniger als zehn Seemeilen hinter dem 140-Fuß-Monster „Maxi Banque Populaire“ zurück lag. Die großen Mehrrumpfboote verblüfften selbst Experten mit ihren gesegelten Kursen, die teils erheblich vom direkten Weg abwichen, weil ein Tri durch die hohe Endgeschwindigkeit durchaus Umwege im Kauf nehmen kann, wenn er dadurch langsameres Aufkreuzen gegen den Wind vermeidet. So segelten auch die beiden neuen MOD70-Trimarane „Race for Water“ aus der Schweiz mit Skipperin Dee Caffari und „Veolia Environnement“ des Franzosen Roland Jourdain auf dem Hinweg an den Scilly-Inseln vorbei, obwohl sie schon bei Land’s End hätten Richtung Norden abbiegen dürfen.
Zwangsweise in den nächstgelegenen Hafen bogen bereits acht Teilnehmer ab. Bei den meisten gab es Materialschäden, die unterwegs mit Bordmitteln nicht zu beheben waren. Nur auf der englischen Sigma 38 „Zanzara“ musste ein Crewmitglied mit einem gebrochenen Bein geborgen werden. Es wird die feierliche Preisverteilung am 19. August in der historischen Zitadelle von Plymouth vermutlich weder auf eigenem Kiel noch auf eigenen Füßen erreichen. Bericht Andreas Kling. Ergebnisse >
