Bis zu diesem Jahr spielte sich alljährlich in der Goldach bei Sankt Gallen ein kleines Drama ab. Einige Hundert Bodenseeforellen standen dort im Spätherbst vor einem hohen Betonwehr im Unterlauf und kamen nicht weiter.
Die Fische waren auf Hochzeitsreise und wollten zum Laichen weiter stromauf ziehen. Viele Tiere versuchten immer wieder, den hohen Wasserfall hinaufzuspringen, ohne Chance. Fischer und Biologen fischten die wartenden Tiere ab, um durch künstliche Erbrütung die seltene Art vor dem Verschwinden zu retten. „Ohne solche Maßnahmen wäre die Bodenseeforelle heute ausgestorben“, meint Biologe Peter Rey, Leiter des Konstanzer Hydra-Instituts. Denn so wie in der Goldach sah es an fast allen Bodenseezuflüssen aus.
1985 schien das Aussterben der Bodenseeforelle unaufhaltsam zu sein. Die Berufsfischer fingen nur noch wenige Tiere, die seit der letzten Eiszeit im See heimisch sind. Und im Alpenrhein, dem wichtigsten Aufstiegsgewässer für laichende Seeforellen, wurde gerade noch eine Handvoll gezählt. Beinahe zum Verhängnis wurde der Seeforelle, die eng mit dem atlantischen Lachs verwandt ist, ihre komplexe Lebensweise. Während ausgewachsene Seeforellen im nahrungsreichen Bodensee kleine Fische jagen, steigen sie im Spätsommer und Herbst zur Fortpflanzung die Zuflüsse hinauf.
Seeforellen, die durch den Alpenrhein bis zum Vorderrhein bei Ilanz ziehen, legen dabei eine Strecke von über 100 Kilometern zurück. Die Forelleneltern haben hohe Ansprüche an ihre Hochzeitsbetten. Sie suchen gut durchströmte, flache Stellen mit Kiesgrund und kaltem, sauerstoffreichem Wasser. In ein solches Kiesbett gräbt das Weibchen eine Laichgrube, in die es die Eier legt, während das Männchen seinen Samen hinzugibt. Schließlich gräbt das Weibchen die Laichgrube wieder zu. In der Regel finden sich solche Bedingungen nur in den Oberläufen von sauberen Flüssen und Bächen. Lesen Sie weiter >
