Dienstag, 12. April 2011

12.04.11: Ankommen

Boris Herrmann / Liebe Segelfreunde, wir haben es geschafft! Non-stop um die Welt. Und ihr wart alle dabei über drei Monate habt Ihr uns Angefeuert und unterhalten oder einfach das Rennen ab und an im Internet verfolgt. Und nun? Wann wollt ihr wieder los?
So richtig angekommen bin ich noch nicht. Interview um Interview reiht sich aneinander, viel Zeit für die Familie war da noch nicht, jedenfalls noch keine ruhige Zeit. Erstmal muss und musste gefeiert werden. So richtig aufnahmefähig war ich noch nicht, die Eindrücke prasseln auf mich ein nach drei Monaten Kommunikationsautismus, die Gerüche morgens beim Bäcker, die Geräusche in den Straßen, der Lärm der Stadt, die Menschenmassen, all das macht mich noch müder, als ich eh schon bin, so dass ich trotz permanentem Kaffetrinken immer wieder zwischen kurzen Phasen euphorischen Erzählens und Diskutierens immer wieder halb wegdämmer.

Wir sitzen hier zB heute Nachmittag unter der Sonne, schauen aufs Meer und beratschlagen die nächsten Schritte. Nach dem Rennen ist vor dem Rennen! Doch halt, erstmal langsam. Anfang kommender Woche fahr ich für drei Tage in die Berge zum Wandern und Abschalten… und dann geht’s aber wirklich richtig los! Auf zum Vendee Globe!

Am kommenden Wochenende komme ich nach Hamburg. Am Sonntagmittag veranstalten wir einen kleinen Empfang und Pressekonferenz in Hamburg, nahe der Elbe. Am Sonntagabend wurde ich in den NDR Sportclub ins Studio eingeladen und ich kann es natürlich kaum erwarten, Fuß auf heimischen Boden zu setzen und wenns klappt, abends etwas durch die Schanze zu ziehen.

Der Empfang hier war phantastisch, überwältigend, beeindruckend. Mehrere tausend Leute stehen am Hafenbecken, als wir den Empfangsponton unter Feuerwerk anlaufen. Was für ein Moment! Was für eine Freude! Doch das ist nun schon wieder zwei Tage her. Wie die Zeit an Land doch rast.

So viele Eindrücke und Emotionen nun, von denen ich in den kommenden Tagen etwas in Ruhe berichten werde. Es gibt ein paar Videos und Geschichten und allerhand Zeugs, was ich von unterwegs nicht senden wollte. Damit rück ich jetzt nach und nach raus, so das es hier noch eine Weile nachklang vom Barcelona World Race geben wird. Doch das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass nun Ende ist. Das Rennen ist vorbei. Worauf ich Lust hätte, wäre diese Website auch nun in der Nachrennzeit mich euch weiterzubringen. Dazu hab ich mir überlegt, dass ich es spannend fände, wenn Ihr eure Geschichten hier erzählt, die ihr mir mailt und die ich dann poste: zB was hat Dich an dem Rennen inspiriert? Welche Fragen stellt ihr euch, die nie angesprochen wurden, wie sind eure eigenen Segelpläne vielleicht beeinflusst worden oder wenn ihr selber gar nicht segelt, was bedeutet es, so ein Rennen zu verfolgen?

Einige von Euch haben über die Kommentare insgesamt schon fast mehr auf der Seite geschrieben als ich und das hat mich wirklich beeindruckt. Wir sind eine kleine, passionierte Segelfangemeinde, oder in weiterem Sinne Abenteuerbegeisterte, Reisehungrige, Unternehmensfreudige. Das möchte ich alles gerne weitertragen, diese Seite vielleicht mit anderen Segelprojekten und Themen irgendwie vernetzen und vor allem und zu allererst mich hier für euren Enthusiasmus und eure Begeisterung bedanken. Beides hat mich auf See in den Momenten der Erschöpfung, Monotonie und Entbehrung inspiriert! Ich freue mich auf inspirierten Austausch: Wann wollt ihr los?! Wann gehts wieder los?!
Morgenfrüh gehts für mich und Ryan wieder aufs Wasser: Im Schlauchboot um die Gaes Maedels, Dee und Anna zu begrüßen.
Liebe Grüße aus dem sonnigen Barcelona Euer Boris