Montag, 28. März 2011

28.03.11: Mentale Erschöpfung

Boris Herrmann / Silvester 2010 sind wir gestartet. In 2011, diesem aktuellen Jahr, war ich noch nicht ein einziges Mal an Land, hab ich mich noch nicht in einem Sofa zurückgelehnt und fern gesehen, noch kein Bier getrunken, keine frische Mahlzeit verspeist. Nie still gesessen, nie länger als vier Stunden geschlafen. All das ging mir durch den Kopf, als ich vorhin einen kleinen Videogruss für den NDR-Sportclub aufgenommen habe: „Liebe Zuschauer …“ Wann werde ich mal wieder fernsehen, dachte ich dabei.

Nun, es wird wirklich Zeit, dass wir ankommen. Seit dem Äquator hat sich meine Wahrnehmung der Zeit auf See (bald 90 Tage) verändert. Es ist dumm, zu sehr ans Ankommen zu denken, aber es war seit langer Zeit so ein innerer Meilenstein: Nach der Rückkehr in die nördliche Hemisphäre ist es ja nur noch ein Katzensprung, dachte ich immer. Doch nun realisieren wir, dass uns hier noch eine weitere, echte Hürde erwartet. Die kommenden 2.500 Seemeilen von hier bis Gibraltar laufen genau gegen den Passatwind. Und anders als bei allen anderen Teilstrecken ist dieser Wind stetig, es besteht also keine Hoffnung auf einen Winddreher. Normalerweise haben wir immer Spannungsbögen von drei bis vier Tagen: Die Passage eines Tiefs, das Erreichen eines neuen Icegates usw. Doch hier haben wir nun fast 14 Tage monotone, anstrengende Amwindbedingungen (hoch am Wind kreuzen). Und wer sich im Segeln etwas auskennt, weiß, was Kreuzen bedeutet: Doppelte Strecke, vierfache Zeit und zehnfache Belastung. Das Schiff kracht unerbitterlich in die Kurze Passatwindwelle, bei jämmerlicher Geschwindigkeit und einem Winkel bis zu 50 Grad vom direkten Kurs abweichend – denn aus der Richtung in die wir wollen, bläst nun einmal der Wind. Lesen Sie weiter >

Spitze >
Die Führenden Dick/Peyron (Virbac-Paprec 3) nähern sich den Kanaren und kommen langsam wieder in der Zivilisation an. Die Verfolger konnten sie wieder etwas distanzieren. Viewer >