Montag, 17. Januar 2011

17.01.11: Das ewige Leid mit dem Protestieren...

... oder
wie lerne ich, ob ich was falsch gemacht habe, ohne lange Protestverhandlung und möglicher Disqualifikation.
Es mag dem Einen etwas überzogen sein, immer über das Protestieren reden bzw. lesen zu müssen, aber auf der anderen Seite gibt es Segler, die einfach angefressen sind, weil sich einige nicht an die Regeln halten. Ist der Weg dafür nur der formelle Protest, oder gibt es andere, einfachere Methoden, die unterschiedlichen Auffassungen von „wer hat jetzt Recht gehabt“ aufzulösen?

Es gibt mehrere Möglichkeiten...

1. Die Regelforen:
Da gibt es einige, auf denen im nachhinein eine Situation dargestellt, diskutiert und von erfahrenen Schiedsrichtern oder Seglern analysiert wird. Dies hat natürlich den Nachteil, dass es erst mit einiger Verspätung auf den Vorfall zu einem Ergebnis kommt und dass es ja nicht sicher ist, ob der betroffene Kontrahent dies dann auch liest und seine Lehren daraus ziehen kann. Der Vorteil liegt aber darin, sehr viele Interessierte an der Lösung des Vorfalls teilhaben zu lassen.

2. Das Berater Gespräch (advisory hearing)
Dies ist ein Weg, geeignet für alle Vorfälle, die auf dem Wasser stattfinden und bei denen die Parteien nicht formell protestieren wollen. Trotzdem möchten sie lernen, wer gegebenenfalls eine Regel verletzt hat, um ihre Sache das nächste Mal besser machen zu können. Dabei wird nur ein neutraler, der Regeln kundiger sogenannter Regelberater benötigt. Diese Form ist dann geeignet, wenn sich die Parteien einig über die Tatsachen sind und nur eine unterschiedliche Auffassung der Regeln existiert. (z.B. es herrscht Einigkeit darüber, dass Boot A Wind von Backbord hatte und Boot B Wind von Steuerbord, oder dass eine Überlappung bei Erreichen der Zone bestand:
 Es ist kein schriftlicher Protest nötig, die betroffenen Parteien treffen sich danach, das kann noch auf dem Wasser sein, wenn der Regelberater auch dort anwesend ist, oder nach der oder den Wettfahrten z.B. an Land im Clubhaus.

Dann beschreiben die Parteien in kurzer Form den Vorfall. 
Der Regelberater erklärt, welche Regeln gegebenenfalls verletzt worden sind, und ob einer oder beide einen Fehler gemacht hatten. Keine Partei wird disqualifiziert oder bestraft, wenngleich das Boot, das eine Regel verletzt hat, von sich aus eine Entlastungsstrafe annehmen kann. Dies muss in der Segelanweisung entsprechend beschrieben sein. Diese Entlastungsstrafe beträgt üblicherweise eine Punktzahl, die einer Verschlechterung von 20% des Zielplatzes entspricht.
 Diese Methode halte ich für sehr gut anwendbar bei den sogenannten Mittwochs- oder Freitagsregatten. Gerade bei diesen werden häufig aus Unkenntnis die Regeln verletzt und die davon Betroffenen sind unzufrieden, wo es doch ein Plausch, wie die Schweizer sagen, sein sollte. Zudem hat der Regelverletzer etwas dazu gelernt und macht es damit beim nächsten Mal besser.

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