Donnerstag, 30. September 2010

30.09.10: Wolf-Peter Niessen gewinnt die Jahreswertung

Geschafft: Wolf-Peter Niessen gewinnt Laser Euro Masters Jahreswertung 2010!

Nach 11 von 12 Regatten in der Laser Euro Masters Serie 2010 - wovon er sieben Läufe gesegelt ist - steht W.-P. Niessen schon als Sieger bei den Great Grandmasters (über 65) fest. Insgesamt 61 Segler waren am Start. Nachdem er Anfang September bei der Open Belgian Masters Championship in Nieuwpoort erneut einen Klassensieg bei den GGM erzielt hat, führt er mit 4 Siegen die Gesamtwertung uneinholbar an.


Laser Masters WM 2010 in Hayling Island vom 10 . - 19. September 2010

Damit hat W.-P. Niessen nach 2008 (1. Standard Grandmaster), 2009 (1. Radial Grandmaster) nun auch 2010 die Gesamtwertung in seinem ersten Jahr als Great Grandmaster gewonnen.

Nicht geschafft!
Top Ten bei der Laser Masters WM in Hayling Island GBR knapp verfehlt.

Wolf-Peter Niessen hatte sich das Ziel gesetzt, bei der Laser Masters (über 35 Jahre) WM in Hayling Island unter den Top Ten zu landen, wenngleich das ein sehr ehrgeiziges Ziel war. Die Teilnehmerliste war nur so gespickt mit Titelträgern und Segelgrößen und fast ein wenig furchteinflößend. Aber er fühlte sich fit und nach der gelungenen Generalprobe in Nieuwpoort Belgien gestärkt - gut gerüstet für die WM.

Beim Training in Hayling Island unter moderaten Bedingungen, bestätigten sich Sympathie zum Revier und sehr guter Speed. Die Wetterprognosen mit überwiegend Leicht- bis Mittelwind hatten Niessen auch zuversichtlich gestimmt. Doch in England wechselt bekanntlich das Wetter schneller als man eine Prognose schreiben kann.

Der erste Tag begann gleich mit einer unliebsamen Überraschung. Zwei Wettfahrten bei 25 kn Wind und mehr (das bedeutet gute 6 Bft,). Darauf war er nicht so richtig eingestellt und hatte aufgrund fehlenden Starkwindtrainings - die Saison am Bodensee war sehr windarm – einige Fehler gemacht. Mit den Rängen 17 und 19 hat er sich sein Punktekonto schon zu sehr belastet und lag im Gesamtklassement auf Rang 18. Handlingprobleme! Beim Wenden in der Welle hängen bleiben und zum Stillstand kommen ist fatal und kostet in so einem Feld gleich viele Plätze. Manöver die bei 4 Bft. noch gut klappen funktionieren nicht unbedingt auch bei 6 Bft. und derartiger Welle. Immerhin stimmte die Geschwindigkeit, sogar über die haarigen Downwindkurse ging es ohne Kenterung. Und auch taktisch waren die Entscheidungen durchweg richtig.

Nach zwei Tagen Zwangspause - es wehte mit 7-8 Bft. und hatte gewaltige Wellen - ging es bei mittleren Winden zwischen 2 und 4 Bft. weiter. Bei diesen Bedingungen war die Welt wieder in Ordnung und es gelangen ein 2. Rang und mehrere Top Ten Ergebnisse.

Vor dem Finaltag befand sich W.-P. Niessen auf Gesamtrang 11 und vom 8. Platz, den er als noch erreichbares Optimum sah, trennten ihn nur wenige Punkte. Doch auch am letzten Tag wieder Wind um 20 Knoten. Aber darauf war Niessen besser eingestellt, er hatte sich ausreichend eingesegelt und fühlte sich gut. Es ging auch wesentlich besser als am ersten Tag. Amwind und ebenfalls Vorwind war er schnell unterwegs und konnte sich in der Spitzengruppe halten. Platz 9. im vorletzten Rennen. Im letzten Lauf nach der 2. Runde auf Position 6 passierte leider wieder ein unglückliches Malheur am Leegate. Bei der Tonnenrundung und Dichtnehmen der Schot hat eine überkommende Welle eine Streckerleine und die Schot vertörnt und eine Blockade im Fußblock verursacht. Bei 20 kn Wind, hoher Welle und Strom nach Lee ging wertvoller Raum verloren bis das Ganze entwirrt war. 8 Plätze verloren und nur noch als 14. im Ziel. So schnell kann es gehen. Das bedeutete Rang 12. im Gesamtklassement. Zwar erstes Drittel, aber Top Ten um 8 Punkte verpasst.

Wolf-Peter Niessen sieht es jedoch als weitere wichtige Erfahrung, die er auch an die Nachwuchssegler im Laser weitergeben will und womit er aufzeigen möchte, was passieren kann, worauf man achten muss, bzw. was trainiert werden muss.

Wesentliche Voraussetzungen stimmten. Die Starts waren gut, der Speed und die taktische Gestaltung der Rennen waren ebenfalls in Ordnung. Ohne die „paar“ Handling Probleme hätte es durchaus ein Platz zwischen 5 und 10 werden können. Den Ausschlag gab eben der erste Starkwindtag. Es waren allerdings auch wirklich Top Leute am Start. Mehrfache Weltmeister und Top 3 Platzierte und Segler, die in diesen Bedingungen zuhause sind und die sich teilweise ganz intensiv über Monate auf diese WM vorbereitet haben. Peter Seidenberg USA, 8-facher Weltmeister im Laser Radial, war noch kurz vor der WM im Trainingscamp Cabarete (DOM), musste sich dennoch Keith Wilkins GBR geschlagen geben. Der ist im ersten Jahr Great Grandmaster und ebenfalls eine große Nummer. Er hat sich in Hayling Island, im heimischen Revier den 11. Weltmeister Titel im Laser gesichert. Er gehörte schon vor gut 35 Jahren, als „Junger“, im Laser zur Welt-Spitze.

So gibt es auch in den anderen Altersklassen viele Beispiele dafür, wie ernsthaft es inzwischen in der Laser Masters Szene zugeht. Dagegen war das Training, das Wolf-Peter Niessen am Bodensee alleine und ohne Coach absolvierte sehr bescheiden. Abgesehen davon hat er seine Laser Erfahrungen erst in den letzten 5-6 Jahren gesammelt, seit er wieder mit dem Segelsport begonnen hat. Daran gemessen sieht er selbst, trotz höherer Erwartung, das WM Ergebnis als „ordentlich“, zumal er bester deutscher Great Grandmaster war. Der Sieg in der Euro Masters Jahreswertung 2010 ist ein gewisses „Trostpflaster“.

Diese WM betrachtet Niessen als wichtigen Baustein für die Zukunft. Er hat gesehen wo er im Vergleich mit der Weltspitze der Laser Great Grandmasters steht und wo es noch Defizite gibt. Es war eine neuerliche Bestätigung, dass es an Starkwindpraxis fehlt. Der Bodensee ist leider nur zu selten ein dafür geeignetes Trainingsrevier. Und selbst wenn die Starkwindperformance in der Euro Masters Serie reicht, gegen die Starkwindspezialisten ist er noch im Nachteil. Das heißt Schwerpunkt auf Regatten in Starkwindrevieren legen oder eben auch mal in ein spezielles Trainingscamp gehen. Wolf-Peter Niessen will wissen was auf allerhöchstem Niveau noch für ihn drin ist!