Mittwoch, 13. Januar 2010

13.01.10: Alinghi - Rendez-vous mit den Seglern

Curtis Blewett hat sich nie darüber beklagt, dass er auf den Version-5-Einrümpfern der letzten Cups als Bowman meist unter Deck im Einsatz stand. Im dunklen, feuchten Bauch des Bootes herumzukriechen und Segel einzupacken war kaum der ruhmreichste Job im America’s Cup. Doch der Kanadier war stolz darauf, dass er den Job machte, den sonst niemand wollte.


Curtis Blewett, Alinghi-Segelteam (Photo credit: Photo: Carlo Borlenghi/Alinghi)

Zum Glück gibt es auf Alinghi 5 keinen Bauch, so sieht auch Blewett wieder viel Tageslicht. „Ich creme mich jeden Tag ein“, grinst er. „Es ist eine grosse und tolle Chance. Ich bin als Bowman schon einige Male um die Welt gesegelt. Dass ich jetzt im America’s Cup zur Abwechslung auch mal an Deck mitsegeln kann, ist schön.“

Blewett ist ein richtiger Outdoortyp, auch wenn er nicht segelt. Er verbringt seine Freizeit auf dem Mountainbike und beim Freeriden. Er geniesst das Adrenalin, das unter Druck freigesetzt wird - das kommt ihm im America’s Cup zugute. „Diese Sportarten machen mich flink. Das ist eines der coolen Dinge bei Alinghi: Was wir beim Rennen brauchen, können wir nicht nur beim Segeln oder im Gym erreichen. Andere Sportarten intensiv zu betreiben, schärft deinen Instinkt und macht dich unter Druck belastbarer.“

Wen wundert’s da, dass Blewett es geniesst, auf einem superschnellen Kat wie Alinghi 5 herumzuturnen. „Das Boot ist sehr physisch, obwohl es weniger Seile und Segel herumzuschleppen gibt, was gut ist. Aber auch mit dem Winschenantrieb ist es ein Boot, das viel Kraft verlangt. Die ganze Geschichte ist ein grosser Entwicklungsschritt von den Version-5-Tagen. Wenn man zu den alten Kielbooten zurückgehen würde, wäre das, wie wenn ein Ferrarifahrer plötzlich auf den öffentlichen Verkehr umsteigen würde.“

Das Segeln mit Alinghi 5 ist eine einzigartige Erfahrung und doch erinnert es Blewett zurück an die Zeit, als er mit dem Katamaran Club Med um die Welt segelte. „Es gibt sicherlich Ähnlichkeiten. Sie sind beide riesige Katamarane, aber Alinghi ist in gewissen Bereichen sehr anders. Das Equipment ist sehr heikel und man hat schnell etwas kaputt gemacht. Man muss mit allem, was man anfasst, sehr vorsichtig sein. Jeder Handgriff muss sitzen und man muss sich sehr präzise bewegen, sonst passiert schnell etwas.“

Nach zwei Round-the-world Volvo Ocean Races, darunter ein Sieg mit Paul Cayard, kennt sich Blewett aus mit Gefahren. So beeindrucken ihn die Risiken, die das Segeln auf Alinghi 5 mit sich bringt, nicht gross. Aber er hat Respekt vor den grossen Kräften, die wirken. „Mit der Hydraulikkraft hat man einen so grossen Powerhebel und doch ist das Boot sehr filigran. Wenn man auf den Netzen auf dem Boot herumrennt, sollte man die Bereiche, die unter grosser Spannung stehen, möglichst nicht betreten. Aber es ist ein tolles Boot. Ich liebe das Segeln auf Alinghi 5. Ich freue mich sehr auf die Rennen, denn ich habe die Nase voll von all diesen juristischen Spielchen. Ich will raus aufs Wasser und segeln. Los geht’s!“ (alinghi.com)


(Photo credit: Photo: Carlo Borlenghi/Alinghi)