
Nicht abschrecken liessen sich am Montagabend über 200 Schwimmer von den kühlen Temperaturen von Luft und Wasser und stiegen mit ihren Fackeln in den neun Grad kalten Bodensee. Foto: Oliver Hanser. Weitere Fotos >
Konstanz – Die Neuseeländer Mathew Saunders und Ben Arlidge sind derzeit bei der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) in Weil am Rhein zu Gast. Sie nutzen die günstige Gelegenheit, um an diesem außergewöhnlichen Ereignis in Konstanz teilzunehmen. Ähnlich hält es Elvis Pereira aus Panama, der Freunde der Feuerwehr Tübingen besucht. Die Tübinger stellen übrigens dieses Jahr mit der achtjährigen Maren Oser die jüngste Teilnehmerin. Kurt Noll von der DLRG Konstanz darf mit seinen 71 Jahren den Titel des ältesten Teilnehmers beanspruchen. Die teilnehmerstärkste Gruppe stammt aus dem Schwarzwald: Die DLRG Sankt Georgen entsandte 14 Frauen und 26 Männer an den Bodensee.
DLRG-Tauchausbilder Tessen von Glasow, der am Hallenbad das Eintreffen der Teilnehmer und den Bustransport zum Hafen koordiniert, ist überrascht, dass die Teilnehmerzahl deutlich die 200 überschreitet. „Wegen des frühen Termins am Wochenanfang und da viele Leute arbeiten müssen, habe ich mit weniger gerechnet“, erklärt er. Die Wassertemperaturen von rund sechs Grad sind ganz angenehm, berichtet er weiter. Mit einem Neoprenanzug sowie Handschuhen, Füßlingen, Flossen und Maske schützen sich die Schwimmer gut gegen die kalten Temperaturen. Als sie pünktlich um 19 Uhr von Thomas Hofert, dem verantwortlichen Organisator, mit einem lauten Knall aus einer Signalpistole ins Wasser geschickt werden, hat die Luft nur knapp über Null Grad.
Mit lautem Gejohle tauchen die Schwimmer ins Wasser ein. Ihre Fackeln erhellen das Geschehen und machen es für die Zuschauer sichtbar. Von Flößen werden Feuerwerksraketen in den Himmel gesandt. Nach kurzer Zeit gleicht der Fackelzug einer riesigen Schlange, die über die Wasseroberfläche schleicht. Knapp eine halbe Stunde benötigt sie für die rund 900 Meter, bis ihr Kopf am Rheinstrandbad das Ufer erreicht. Viele Teilnehmer sind Stammgäste. So auch Kerstin Labor von der DLRG Ravensburg. Sie freut sich auf das Zusammentreffen mit ihren Freunden aus Loßburg im Landkreis Freudenstadt. Diese hatte sie beim Landesjugendtreffen kennengelernt. Für Hermann Schunter von der Malteser Höhlenrettung im Landkreis Göttingen bildet das Silvesterschwimmen den Ausklang der Wassersaison. Der Mann aus Wäschenbeuren kommt seit rund 15 Jahren an den See. „Zuhause haben wir nur Pfützen, daher müssen wir weiter wegfahren“, scherzt er. Marion Rapp aus Schramberg ist zum erstem Mal dabei: Sie hat sich von begeisterten Sporttaucherkollegen anstecken lassen.