Mittwoch, 30. September 2009

30.09.09: Bagger ersetzt Fischerboote

Heute berichtet Andrea Kern im Thurgauer Tagblatt über den Ausbau des Arboner Hafens: Seit wenigen Tagen ist das alte Hafenbecken leergeräumt. Bis Ende Oktober steht den Sportfischern jedoch ein Notsteg zur Verfügung. Daneben ragt bereits eine Wand aus dem Wasser, die den neuen Steg für die Bevölkerung andeutet.

Weiter berichtet Andrea Kern:
Wo sich sonst farbige Schiffe aneinanderreihen, wühlt ein grosser gelber Bagger in der Tiefe des Arboner Hafenbeckens. Das Wasser ist trüb, aufgewirbelt durch den Dreck, den die Schaufel auf das bereitstehende Lastschiff lädt. Kein einziges Boot mehr schwimmt im alten Hafenbecken. Denn vor wenigen Tagen mussten sie ihren Platz aufgeben. Einzig an einem Notsteg schaukeln rund zwei Dutzend Boote. Es sind jene der Sportfischer.

18 Tonnen schwere Elemente
«Momentan wird das alte Hafenbecken ausgebaggert», sagt Jan-Thilo Hippmann der Firma Gautschi AG. «Ungefähr 30 Zentimeter des Seegrundes im inneren Teil des bestehenden Hafenbeckens werden dabei entfernt und über Land in eine Deponie entsorgt. Danach können die Überreste des alten Steges abgebrochen werden.» Dieser wird nur noch durch eine Reihe von abgerissenen Pfählen, aus denen Eisendrähte ragen, sowie der Spundwand, einer wellenförmigen Tragewand, angedeutet. Darauf zu spazieren gliche einem Balanceakt.

Die neue Spundwand grenzt bereits das erweiterte Hafenbecken ein, mit einer Dimension von 4100 Quadratmetern. «Die Einmessung der Spundwand erfolgte mit Hilfe von GPS und über einen Theodoliten», führt Jan-Thilo Hippmann aus. «Eine Überraschung war der Findling, auf den wir 30 Meter vom Ufer entfernt gestossen sind.» Der grosse Felsbrocken konnte nicht gesprengt und entfernt werden. Deshalb wurde die Spundwand um ihn herum fixiert.

Rund 100 Betonelemente mit einem Gewicht von 18 Tonnen werden nun als nächstes darauf befestigt, damit der Steg für die Bevölkerung begehbar wird. In den Elementen bereits integriert ist laut Jan-Thilo Hippmann die Beleuchtung, die danach nur noch angeschlossen werden muss.

Archäologen an Bord
Insgesamt wurden bereits 18 000 Kubikmeter Material ausgegraben, die meiste Zeit in Begleitung eines Archäologen. «Wir vermuteten, dass wir auf Objekte aus der Römerzeit stossen werden, aber wir haben nichts gefunden», sagt Jan-Thilo Hippmann. Der Aushub wurde von den Lastschiffen an einen vom Amt für Umwelt bestimmten Ort vor Altenrhein gebracht, wo der See eine genügende Tiefe aufweist, um das Material zu entladen. Bis Ende Oktober muss nun der Rest ausgebaggert werden. Danach beginnt die Schonzeit für die Fische, da sie zu laichen beginnen.

In der Entsorgung im See sieht Jan-Thilo Hippmann auch einen ökologischen Nutzen: «Eine Schifffahrt entspricht zehn Fahrten mit dem Lastwagen.» Trotzdem wird ein Teil des momentanen Aushubs über Land entsorgt. «In der obersten Schicht des Seegrundes ist das Material leicht belastet, vorwiegend aufgrund von alten Unterwasseranstrichen.» Durch diese Entsorgung gewinne der Bodensee an Qualität, sagt Hippmann, während der Lastwagen daherrollt, um neues Material wegzutransportieren, und der Hals des Krans sich erneut in die Tiefe beugt und im Dreck wühlt.


Ein Notsteg dient Sportfischern im erweiterten Hafenareal (links), während der Bagger das alte Hafenbecken aushebt (rechts). Bilder: Andrea Kern