Alinghi beendete das Marseille International Match Race heute im 5. Rang. Es war die erste Station der World Match Race Tour, die nun nach Deutschland weiterreist.
Alinghi ist nach einem vierjährigen Unterbruch, währenddem das Team den America's Cup erfolgreich verteidigte, auf die internationale Matchracing-Tour zurückgekehrt und die Jungs sind glücklich, wieder dazusein, wie Ed Baird, Steuermann und dreifacher Weltmeister im Matchracing, erklärt: "Der Verlauf des gestrigen Tages (Adam Minoprio, der junge Neuseeländer, bezwang Alinghi in den Viertelfinals 3:2) hat gezeigt, dass wir auf der Tour sein müssen. Wir müssen wieder hierher zurückkehren und auf diesem Niveau Fehler machen und mit den Konsequenzen umgehen." Sein Teamkollege, Grosssegel-Trimmer Warwick Fleury, war letztmals vor 10 bis 15 Jahren regelmässig auf der Tour, zusammen mit den anderen neuseeländischen Seglern Brad Butterworth, Russell Coutts und Simon Daubney.
Dem erfahrenen Matchracer sind einige Veränderungen aufgefallen: "Heute ist die ganze Flotte sehr stark, im Gegensatz zu früher, zumindest vor etwa 10 bis 15 Jahren, als wir regelmässiger dabei waren, war nur ungefähr die Hälfte der Teams auf höchstem Niveau. Heute hat es hier kaum schwache Teams, sie sind alle jederzeit in der Lage, irgendeines der Top-Teams zu bezwingen." Er hat auch eine Entwicklung in der Taktik bemerkt, die von den jüngeren Flottenmitgliedern angewendet wird: "Mein Eindruck ist der, dass es heute taktisch ein wenig aggressiver zu und her geht. Einige Matchracing-Manöver haben sich weiter entwickelt, das ist interessant." Warwick und seine Teamkollegen aus alten Zeiten besitzen einen anderen Erfahrungsschatz, damals wurden mehr Fleetraces als Matchraces gesegelt, währenddem die jüngeren Wettkämpfer der Match Tour sich viel stärker auf das Matchracing konzentrieren.
"Viele von ihnen sind - auch was das Training angeht - durch die Jugendprogramme stark geworden, wie zum Beispiel dasjenige in Neuseeland, das sich auf Matchracing konzentriert. Viele von ihnen sind nur in diesem Bereich gesegelt, sieht man von einigen Erfahrungen auf Dinghies in Vorjugend-Programmen einmal ab. Das Resultat davon ist, dass sie in dieser Disziplin sehr, sehr stark geworden sind." Ist die Match Tour immer noch ein guter Nährboden für zukünftige America's-Cup-Teams? "Diese Segler machen ihren Job sehr gut und wir werden sie sicher auch zukünftig im America's Cup sehen", sagte Warwick.
Der Wettkampf war für die ganze Crew sehr nützlich, Bowman Piet van Nieuwenhuijzen und Trimmer Lorenzo Mazza waren ebenfalls seit 2005 weg von der Tour, weil sie sich darauf konzentrierten, den Cup wieder zu gewinnen. "Wenn man betrachtet, wie viele Rennen wir diese Woche hatten, wieviele Starts und wieviele Manöver, dann war es einfach fantastisch; es ist genau das, was wir tun müssen", sagte Ed gestern Abend nach den Rennen. "Die Realität sieht so aus, dass wir noch nicht bereit sind, einen solchen Event zu gewinnen, weil wir gerade erst auf dieses Gebiet zurückgekehrt sind; es sind viele Jahre vergangen und wir haben gerade erst wieder damit begonnen."
Das Team wartet nun - ebenso wie die gesamte Segelwelt - darauf, dass die Richter des New Yorker Berufungsgerichtes dem 33. America's Cup mit vielen Challengern grünes Licht erteilen, der mit Vor-Regatten im Juni/Juli und dann wieder im Oktober beginnt und dessen Match 2010 ausgetragen wird. In der Zwischenzeit bereitet sich der Defender des America's Cup auf alle Eventualitäten vor; das Matchracing-Team wird an einigen Tour-Events teilnehmen, andere Team-Mitglieder segeln auf der Décision 35 auf dem Genfersee und eine andere Crew auf Numbers, der Vrolijk 66.
Das ganze Interview mit dem erfahrenen Grosssegel-Trimmer Warwick Fleury:
Habt ihr Erfahrung mitgenommen, die ihr bei Alinghi einfliessen lassen könnt?
"Wenn wir an solchen Events teilnehmen, bleiben wir frisch bezüglich der Taktiken im Matchracing, weil diese sich verändern und den Regeln, weil diese sich weiterentwickeln, auch wenn sie nicht so stark ändern, die Interpretationen können sich verändern, weil die Segler neue Techniken entwickeln. Man hat also viel zu tun, um auf der Höhe zu bleiben. Zudem ist es auch gut, einfach rauszugehen und zu segeln. Unsere Resultate widerspiegeln diese Art des Segelns, nach einem oder zwei schlechten Rennen kann man schon ausgeschieden sein. Insgesamt haben wir ziemlich gute Leistungen gezeigt, wenn man die Tatsache betrachtet, dass wir erst seit kurzem wieder im Matchracing sind, es ist so lange her."
Wann warst du letztmals auf der Match Racing Tour?
"Ich kann mich nicht genau erinnern, denke aber, dass wir die letzte volle Tour 1995/96 bestritten haben. Wir waren auch anschliessend als Vorbereitung für den Cup von 2000 bei einigen Anlässen dabei. Das war mit Russell [Coutts], Brad [Butterworth, Skipper und Taktiker von Alinghi] und Simon [Daubney]. Mit Alinghi haben wir keine ganze Tour bestritten, waren aber zwischen 2000 und 2003 bei einigen Events am Start. Ich erinnere mich, dass wir in einem Jahr mit Ernesto [Bertarelli] in Schweden waren, wir waren auch bei einem Bermuda Gold Cup dabei. Seit da und bis heute haben wir jeweils an einem oder zwei Events pro Jahr teilgenommen."
Welche grossen Veränderungen hast du zwischen damals und jetzt im Feld der Wettkämpfer ausgemacht?
"Heute ist die ganze Flotte sehr stark, im Gegensatz zu früher, zumindest vor etwa 10 bis 15 Jahren, als wir regelmässiger dabei waren, war nur ungefähr die Hälfte der Teams auf höchstem Niveau. Heute hat es hier kaum schwache Teams, sie sind alle jederzeit in der Lage, irgendeines der Top-Teams zu bezwingen. Dies ist eine grosse Veränderung und obwohl es schwer ist, dies zu beurteilen nach nur einem Event, speziell weil die Boote klein und wendig sind, ist mein Eindruck der, dass es heute taktisch ein wenig aggressiver zu und her geht. Einige Matchracing-Manöver haben sich weiter entwickelt, das ist interessant. Die Teams machen so viel. Der andere Faktor ist zudem der, dass sich diese jüngeren Teams nur auf das Matchracing konzentrieren; viele von ihnen sind - auch was das Training angeht - durch die Jugendprogramme stark geworden, wie zum Beispiel dasjenige in Neuseeland, das sich auf Matchracing konzentriert. Viele von ihnen sind nur in diesem Bereich gesegelt, sieht man von einigen Erfahrungen auf Dinghies vor den Jugend-Programmen einmal ab. Das Resultat davon ist, dass sie in dieser Disziplin sehr, sehr stark geworden sind."
Ist die Match Tour immer noch ein guter Nährboden für zukünftige America’s-Cup-Segler?
"Es ist anders. Als wir nach oben kamen, war der Prozess ein ganz anderer. Das moderne Matchracing - so wie es auf der Tour praktiziert wird - hat sich mit meiner Generation entwickelt und wir hatten mit anderen Arten des Segelns begonnen und wurden dann mit dem Matchracing vertraut, als es grösser wurde. Es gab damals weltweit nur einige wenige Matchraces, die man besuchen konnte, den Congressional Cup, den Bermuda Gold Cup und ein Anlass fand in Neuseeland statt. Die Skipper, die eingeladen wurden, waren aber alles arrivierte America's-Cup-Skipper wie Harold Cudmore, Ted Turner oder Dennis Conner und es war keine professionelle Tour wie heute. Wir kamen also mit Erfahrung in anderen Arten des Segelns hinzu; wir waren mit Fleetracing vertraut und nicht mit Matchracing und haben erst dann diese Sparte gelernt. Für die Jungs heute ist es genau umgekehrt. Diese Segler leisten aber ausgezeichnete Arbeit und wir werden sie sicherlich im America's Cup sehen."