Montag, 31. März 2008

Der Kampf um die Bootsliegeplätze

31.03.08 - Die Thurgauer Zeitung berichet heute: Lange Wartelisten und unterschiedliche Vergabepraxen kennzeichnen die Hafen-reglemente der Seegemeinden. Auswärtige haben im Kampf um Bootsplätze meist die kürzeren Spiesse.

In diesem interessanten Artikel berichtet Martin Bänziger weiter:
Den grössten Hafen am Bodensee weist auf Thurgauer Seite die Gemeinde Romanshorn mit 861 Plätzen auf. Der zuständige Gemeinderat Peter Eberle hebt auf Anfrage hervor, dass bei der Vergabe frei gewordener Bootsliegeplätze primär Einheimische berücksichtigt würden, die ihr Wohn- und Steuerdomizil in Romanshorn hätten. Auswärtige wären beinahe chancenlos. Romanshorn führt zwei Wartelisten. Auf der Einheimischen-Liste figurieren, in einzelne Zonen unterteilt, 118 Namen, auf der Warteliste der Auswärtigen 192 Personen. Die Gemeindebehörde orientiert die auswärtigen Interessenten, dass die Chance gering sei, einen Bootsplatz zu erhalten. Die Antwort laute dann meist, man müsse es halt überall probieren. Einheimische Interessenten erhalten einen Bootsplatz in durchschnittlich 5 bis 10 Jahren.

Unbefristete Mietverträge
Die Hafenanlage in Arbon umfasst zurzeit 460 Bootsplätze. Nach der Sanierung im Schlosshafen werden 2010 noch 150 Plätze hinzukommen, wenn die Volksabstimmung im September positiv verläuft. Zuständig für die Hafenbelange ist Stadtrat Reto Stäheli. Er betont, das Hafenreglement sehe vor, dass Einheimische den Vorrang hätten. Auswärtige würden einen Hafenplatz für drei Jahre erhalten; wenn dann ein Einheimischer Interesse zeige, müsse der Auswärtige wieder in die Warteliste integriert werden. Diese umfasst bei den Einheimischen 14 Personen, bei den Auswärtigen 250 Personen. Die Preise pro Bootsplatz differierten in den einzelnen Seegemeinden, doch schaue man, dass man nicht über die Stränge schlage, ergänzt Reto Stäheli.

Kurze Wartefrist
Der Hafen in Bottighofen hat neu 225 Liegeplätze. Gemeindeammann Urs Siegfried informiert, dass in der Gemeinde zwei Wartelisten geführt würden. Auf der Liste der Einheimischen wären 83 Interessenten zu finden, bei den Auswärtigen seien es 186 Personen. Urs Siegfried ergänzt, es lägen Bundesgerichtsentscheide zur Vergabepraxis vor. Der Grundtenor laute, Auswärtige könnten nicht gänzlich bei der Vergabe von Bootsliegeplätzen ausgeschlossen werden. Der Bottighofer Gemeindeammann schätzt, dass ein Einheimischer vier bis fünf Jahre auf seinen Bootsplatz warte, ein Auswärtiger 15 bis 20 Jahre. Und kleinere Bootsplätze würden schneller den Mieter wechseln als grössere.

Muss ein Gesuch stellen
Die Unterseegemeinde Berlingen hat ein Bojenfeld mit 226 Bojen sowie drei Stege mit 70 Bootsplätzen. Die für die Bootsplatz-Vergabe zuständige Gemeindeangestellte Erika Siegwart präzisiert, die Stegplätze seien den Einheimischen vorbehalten, die Bojen würden an Einheimische und Auswärtige vergeben. Grundsätzlich hätten Einheimische bei der Vergabe Vorrang. Jeder Interessent habe ein Gesuch zu stellen. Die Gesuchliste umfasse zurzeit 59 Namen, 45 Auswärtige und 14 Einheimische. Einwohner von Berlingen müssten rund zwei Jahre warten, bis ein Bootsplatz frei werde. Auswärtige würden meist Saisongastplätze mieten. Wenn dies fünfmal passiert sei, könne der Antrag auf einen Festplatz gestellt werden. Wenn jedoch ein Auswärtiger sofort ein Gesuch für einen Festplatz stelle, sei die Chance gering, dass er Erfolg habe.

Markt diktiert Vergabe
Steckborn hat den einzigen grösseren Hafen am Untersee. 273 Bootsliegeplätze stehen Gemeinderat Walter Labhart zur Verfügung. Dabei würden Einheimische und Auswärtige je nach Angebot und Nachfrage berücksichtigt; zurzeit liege die Vergabepraxis bei je 50 Prozent. Die Warteliste für Steckborner umfasse 50 Namen, für Kantonale und Ausserkantonale 250 Namen. Auswärtige und Einheimische würden auf kleinere Bootsplätze rund 15 Jahre warten, auf grössere bis 25 Jahre. (tz)

Benützung der Boote
Nicht viel anders wird es in den anderen Bodensee-Häfen sein. Die Plätze sind überall Mangelware! Aber leider ist es auch so, dass Hafenlieger ihre Boote einwassern und erst im Herbst beim Auswassern ihr Boot wieder sehen. Da ist sicher ein Nachholbedarf in den Reglementen gefragt.